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© Fotos: Rahel Seitz, Ronja Hartmann, Katt Senn

DIE VEREINIGTEN VERGANGENHEITEN SUCHEN WÜNSCHE UND IDEEN FÜR NEUE “ZWÖLF ARTIKEL”

Die Zwölf Artikel sind die vielleicht bedeutendste Errungenschaft Memmingens: Es sind Forderungen, die die Bauern im deutschen Bauernkrieg 1525 gegenüber dem Schwäbischen Bund erhoben. Sie gelten als die erste Niederschrift von Menschen- und Freiheitsrechten in ganz Europa, und die zu den Zwölf Artikeln führenden Versammlungen gelten als erste verfassungsgebende Versammlung in Zentraleuropa.

Einige der Forderungen sind noch immer nicht eingelöst – oder wieder aktuell geworden. Andere entsprechen nicht mehr den heutigen Umständen. Was, wenn wir gemeinsam ein Update formulieren, quasi Zwölf Artikel 2.0.? Was wären heute zentrale Forderungen? Bezahlbarer Wohnraum? Mehr Zwischennutzung , weniger Leerstand? Entprivatisierung des öffentlichen Raums? Mehr direkte Demokratie?

70 Vorschläge liegen bereits vor. Aber je mehr, desto besser. Mailt uns eure Wünsche und Ideen an info@vereinigtevergangenheiten.net. Eure eigenen Zwölf Artikel fliessen dann kommendes Frühjahr in ein Theaterstück am Landestheater Schwaben ein, wo sie zugleich zur Abstimmung gebracht werden. Am Ende stehen dann die zwölf am häufigsten genannten/dringendst gewünschten Artikel, um sie der Öffentlichkeit und der Politik zu übergeben.

Vorwärts durch die Vergangenheit und dann zurück in die Zukunft.

Im ENERGIEBÜRO wurden Geschichten und Relikte vereint, um sie in die Gegenwart zu holen. Denn nur im Jetzt ist die Vergangenheit für uns verfügbar. Nur im Jetzt haben wir die Möglichkeit, etwas aus ihr zu machen.
Zukunft zum Beispiel, wie wir es im ZUKUNFTSKRAFTWERK getan haben. Im Zukunftskraftwerk haben wir nach vorne geblickt: auf unsere Wünsche, unsere Handlungsenergien, unsere Anforderungen an uns als Gesellschaft. Denn nur vom Jetzt aus führt der Weg nach vorne. Auch wenn manche sich die Vergangenheit zurückwünschen: In der Zeit führen selbst notwendige Rückschritte nicht wieder zu demselben Ort zurück, sondern woandershin.

Das Jetzt ist also der Kreuzungspunkt, die Weggabelung, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verbindet. Gleichzeitig geben erst Vergangenheit und Zukunft dem Jetzt seine Spur, seinen Weg, seinen Sinn. Nur mit Vergangenheit im Rücken weiß ich, wer mich da morgens anschaut im Spiegel; weiß ich von meinem ICH: Durch das, was ich war. Und nur mit Zukunft bekomme ich ein Gefühl dafür, dass Handlungen und Entscheidungen Auswirkungen haben; nur mit Zukunft kann ich eine Vorstellung davon entwickeln, wer ICH sein könnte und was es heißt, mich und meine Umgebung zu gestalten. ICH, in der Gegenwart, das gibt es nicht als ein stabiles, sondern nur als einen Prozess – und nur in der Begegnung mit anderen in wieder ihren Prozessen.

Wir sind also: Prozesse. Wir sind also: Nicht sauber voneinander abgegrenzte Ichs. Wir sind also: Verwandlung, Veränderung.

Nur will man uns das ständig vergessen machen. Nur will man uns das ständig nicht wünschen lassen. Nur will man uns ständig gefangen halten in einem JETZT ohne Gestern und Morgen.

Wir sollten daher jederzeit auf allen Zeiten bestehen.
Wir sollten uns weigern, dass andere mit unserer Zeit spekulieren, um Zeit nur für sich zu gewinnen.
Wir sollten der umfassenden Zeitbesatzung mit Zeitbesetzung antworten.

Dafür war, ist und bleibt von nun an die alte Mohren-Apotheke ein Beispiel: Sie war ist und bleibt: im Prozess. Viele Menschen waren dort, zum ersten Mal, zum zweiten Mal, immer wieder. Sie versammelten sich Freitag abends zur Kohlen-Bar. Menschen begegneten sich, die sich so sonst nicht begegnet wären. Vergangenheiten vereinigten sich und erzeugten Wunschenergien, wie es mit diesem Haus, wie es mit Memmingen weitergehen soll. Das Café CONNEX hat dort inzwischen eine neue Heimat gefunden. Und auch für die erste und dritte Etage entwickelten sich konkrete Initiativen für Bleibendes; zumindest für vorübergehend Bleibendes. Denn alles Bleibende ist vorübergehend.

Aus Fiktion wurde Realität, aus Kunst Instandsetzung, aus Impuls Resonanz.

Die Vereinigten Vergangenheiten können sich jetzt also wieder zurückziehen ins Theater, woraus sie im Herbst letzten Jahres aufgebrochen waren, um in der Vergangenheit Zukunft zu finden.

Um den Kreis zu schließen, müssen sie nun aber noch in der Zukunft Vergangenheit finden.

Die Vergangenheit hört nicht gestern auf. Die Zukunft beginnt nicht erst morgen.

Das ist es, was wir JETZT tun, wofür wir gerade gemeinsam JETZT den Weg bereiten: Wir tragen das, was soeben sich in die Vergangenheit der Mohren-Apotheke verwandelt, zurück ins Theater, um euch, um uns alle dort dann in der Zukunft, genauer: ab dem 04. Mai, folgende Fragen stellen zu können:

• Wie ist es in der Zwischenzeit mit den Memminger Leerständen weitergegangen und wie soll es mit ihnen weitergehen?

• Wie ist es es in der Zwischenzeit mit den Vorschlägen für NEUE 12 MEMMINGER ARTIKELN weitergegangen und wie sollen sie nun lauten?

• Wie ist es es in der Zwischenzeit mit der ALTEN MOHREN-APOTHEKE weitergegangen und wie soll es mit ihr weitergehen?

Wir werden uns dann nochmal gemeinsam erinnern, rekapitulieren. Wir werden uns dann nochmal gemeinsam etwas wünschen. Wir werden uns dann nochmal gemeinsam für etwas entscheiden.

Und es wird eine Veränderung gewesen sein. Und es wird eine Feier und Leben gewesen sein.

Aber jetzt, leben und feiern wir erst einmal: UNS. Den WEG. Das JETZT.

WIR GEMEINSAM. JETZT. AUF DEM WEG: Das ist die SUPER-GAU – Die größte anzunehmende Utopie.

No Future war gestern.